Übung statt Talent – Jeder kann malen

Die Leiter des Malens

Stell dir vor, es gäbe eine Leiter, eine Leiter des Malens. Am Boden startest du mit keinerlei Kenntnissen und die Ergebnisse deiner Malerei würden dich verzweifeln lassen. Und ganz oben am Ende dieser Leiter bist du ein international anerkannter Künstler mit reichlich Erfahrungsschatz. Wenn wir mit dem Malen als Hobby anfangen, starten wir irgendwo dazwischen – abhängig davon, welchen Zugang wir bislang im Leben zum Malen hatten. Und desto mehr wir üben, erklimmen wir nach und nach die Sprossen nach oben. Auf diesen Weg nach oben hat jeder seine ganz persönlichen Hindernisse und Rückschläge zu bewältigen, darf aber auch einzigartige Erfolge feiern.

Lass uns kurz bei dem Bild der Leiter bleiben, wenn wir über Talent sprechen. Wir assoziieren mit dem Begriff Talent häufig etwas „in die Wiege Gelegtes“ oder etwas „Gott Gegebenes“. Doch klingt das wenig greifbar, sondern eher nach einem Gefühl von „das ist halt so“. Verlassen wir einmal kurz dieses Gefühl und Denkmuster und schauen uns an, wie wir künstlerisch in unser Leben gestartet sind.

Waren deine Eltern / Großeltern künstlerisch interessiert, haben sie selbst gemalt? Hattest du als Kind viele Stifte und Farben um dich herum? War dein Umfeld interessiert am Malen oder der Kunst allgemein? Wurdest du mit Lob für deine Kinderzeichnungen angespornt?

Wenn wir in ein Umfeld hinein geboren wurden, dass es uns ohne viele Hindernisse ermöglicht, erste positive Erfahrungen mit dem Malen zu sammeln, haben wir einen guten Nährboden. Eine gute Ausgangsbasis, ein Gefühl für Farben und Formen zu entwickeln und stetig unsere kognitive Umsetzung zwischen Auge und Hand zu trainieren. Wenn wir also mehr Übung hatten und dadurch bessere Arbeiten entstanden sind als es von uns erwartet wird, bessere Arbeiten als bei einer Vergleichsgruppe, so wirkt das auf unsere Umwelt wie besagtes „Talent“.

Ein talentierter Mensch bedeutet für mich, jemand hat auf der Leiter bereits eine höhere Sprosse erreicht als der Durchschnitt (s)einer Vergleichsgruppe.

Jeder kann die Sprossen erklimmen

Wenn Übung und damit verbunden ein gewisses Maß an Erfahrungswissen also den Weg auf der Leiter nach oben begleiten, bedeutet dies auch, dass jeder die Leiter hochgehen kann. Jeder kann Malen lernen.

Wenn du also wieder mit dem Malen anfangen willst, wirst du irgendwo auf dieser „Leiter des Malens“ einsteigen und in der Lage sein, sie nach und nach hoch zu gehen.

Wie schnell geht das? Meiner Erfahrung nach hängt es davon ab, wieviel du übst, wieviel du dir Wissen rund um das Thema Malen bzw. Kunst aneignest und dieses konsequent umsetzt. Hinzu kommt eine dicke Portion Durchhaltevermögen – vor allem in den Momenten, in denen die Rückschläge (und ja, die gibt es auch beim Malen) dich runterziehen und du die Sinnfrage stellst.

Jeder, der gern mit Malen anfangen möchte und zugleich an sich zweifelt, möchte ich ganz kräftig ermutigen, Pinsel und Farben in die Hand zu nehmen!

Fang an, es macht Spaß! 🙂